Eigentlich hätte die 40. Ausgabe des Regionalen Preistrommelns und -pfeifens von 10 bis 20 Uhr dauern sollen. Doch die Anmeldungen nahmen kein Ende, sodass der Event am Samstag eine Stunde früher als geplant beginnen musste und die letzten musikalischen Vorträge kurz vor 21.30 Uhr im mit rund 300 Zuschauern vollgepackten Saal des Hotels Engel stattfanden. «Der komplette Wettkampf soll sich auf einer Bühne abspielen», betont Heinrich Bader, der nach 15 Jahren im OK seinen Abschied gibt.

Die wachsende Beliebtheit des Regionalen ist auch die Konsequenz einiger Änderungen, welche die Organisatoren im Vorjahr vorgenommen haben. Mit Liestal als Austragungsort ist man wieder zentraler geworden und durch die Möglichkeit der Online-Anmeldung via Homepage auch moderner. Und dass jeder Teilnehmer einen Preis aus dem Gabentempel erhält, kommt natürlich vor allem bei den jungen Pfeifern und Trommlern an. Der Nachwuchs, das wird im Gespräch schnell klar, liegt Bader besonders am Herzen. Deshalb erachtet er es als bedeutsam, dass die ganz Jungen auf der gleichen Bühne stehen wie alle anderen.

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Dass der Anlass reibungslos abläuft, liegt nicht nur an der sorgfältigen Vorbereitung durch das Organisationskomitee, sondern auch an der Jury, welche keine einfache Aufgabe hat. Denn die rund 150 musikalischen Vorträge müssen nicht nur sorgfältig, sondern auch zeitnah bewertet werden. Erst wenn die Richterinnen und Richter ihr Urteil gefällt haben, geben sie dem Moderator ein Zeichen, damit dieser den nächsten Auftritt ansagen kann.

Jury mit Auswechselbank

Insgesamt sind es acht Personen, die im Verlaufe des Tages auf den vier Stühlen vor der Bühne Platz nehmen und die Ohren spitzen. Auf Notenblättern wird der gespielte Marsch mitgelesen und nach dem Musikstück tauscht man sich in Zweiergruppen – jeweils zwei Trommel- und Pfeifer-Experten sitzen nebeneinander – über das Gehörte aus. «Es könnte ja sein, dass einer eine Passage nicht sauber gehört hat», erklärt Beatrix Schlebach von der Rotstab-Clique Liestal, die als Spezialistin fürs Pfeifen im Einsatz ist.

Doch wie landet man eigentlich auf einem Jury-Stuhl? «Man muss es wollen und möglichst viele Erfahrungen gemacht haben», sagt Trommelexperte Simon Guggisberg (Tambourengruppe Laupersdorf-Thal). Wie Schlebach stand er schon mehrfach beim Regionalen auf der Bühne und liess sich zum Juror ausbilden.

Für die Fachleute beginnt die Arbeit jeweils schon mehrere Wochen vor dem Regionalen. Sobald bekannt ist, welche Stücke aufgeführt werden, machen sich die Jury-Mitglieder mit den entsprechenden Märschen und ihren Eigenheiten vertraut, um wieder voll auf der Höhe zu sein. Der Eindruck der Experten zum Niveau des diesjährigen Regionalen ist eindeutig. «Es gibt bei den Trommlern und Pfeifern ein sehr breites Mittelfeld, aus dem einige Wenige herausragen. Wenn alles ähnlich klingt – und das meine ich nicht despektierlich –, ist es für uns besonders schwierig, zu differenzieren», so Guggisberg.

Dass komplexere Musikstücke die Siegeschancen steigern würden, verneinen die Experten übrigens mit Nachdruck. «Wenn ein einfacher Marsch perfekt gespielt wird, ist das eine genauso tolle Leistung», findet Beatrix Schlebach.

«Ich dachte, ich war noch nie so schlecht!»

Bei ihrer vierten Teilnahme am Regionalen holte sich Yael Moosbrugger erstmals den Sieg in der Kategorie der jungen Pfeifer. Der 16-jährigen Waldenburgerin von der Liestaler Rotstab-Clique war die Freude über den Erfolg auch im anschliessenden Gespräch anzumerken.

Sie wirkten sehr überrascht, als Sie zur Siegerin gekürt wurden …
Yael Moosbrugger: Und ob ich überrascht war! Ich dachte, ich hätte nie so schlecht gespielt! (lacht laut) Ich war nervös und zitterte während meines Auftritts, was normalerweise der Fall ist. Mein erster Gedanke hinterher war: Hättest du doch nur mehr geübt!

Aber offenbar lagen Sie mit Ihrer Eigeneinschätzung grundfalsch …
… und das freut mich sehr! Das können Sie mir glauben! (lacht)

Ihr musikalischer Vortrag war der «Fischmärt». Wieso haben Sie sich für diesen Marsch entschieden?
Einerseits, weil ich ihn schön und «musikalisch» finde. Ich kann mich mehr entfalten als bei anderen Märschen, die ich als strikter empfinde. Zum anderen haben wir im Vorfeld den «Fischmärt» in der Gruppe geübt, da musste ich alleine weniger machen! (lacht)

Das Pfeifen hat ein Nachwuchsproblem. Ist das unter den jungen Aktiven ein Thema?
Bei uns in der Rotstab-Clique schon. Bis vor ein paar Monaten waren eine Kollegin und ich für längere Zeit die einzigen Pfeiferinnen in unserer Alterskategorie. Zum Glück sind kürzlich vier weitere Mädchen zu uns gestossen.

Sie pfeifen seit sechs Jahren. Was hat Sie damals dazu bewogen, zum Piccolo anstatt zur Trommel zu greifen?
Das ist schwierig in Worte zu fassen. Ich finde, ich kann mit diesem Instrument einen grösseren Beitrag zu einem Stück leisten, mich stärker einbringen. Das soll die Leistung der Tambouren keinesfalls abwerten, doch ich würde mich an der Trommel durch die Taktvorgaben zu sehr eingeengt fühlen.

Machen Sie nächstes Jahr wieder am Regionalen mit?
Und ob! Der Anlass ist megacool und macht irrsinnig Spass – und das ist das Wichtigste!

Die 16-jährige Waldenburgerin Yael Moosbrugger von der Liestaler Rotstab-Clique gewann in der Kategorie der jungen Pfeifer.

Yael Moosbrugger

Die 16-jährige Waldenburgerin Yael Moosbrugger von der Liestaler Rotstab-Clique gewann in der Kategorie der jungen Pfeifer.

© Alan Heckel