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An der Frenkendörfer Fasnacht gabs einen extra Wagen für den Preesi

Basellandschaftliche Zeitung 06.03.2017

Trotz Regen waren die 70 Formationen der Frenkendörfer Fasnacht in Hochform. Dem neuen Gemeindepräsidenten und FC-Bayern Fan Roger Gradl wurde gar ein Bierzelt auf Rädern gewidmet.

ls würde sich Petrus diese Pointe nicht verkneifen können. Das Motto der Frenkendörfer Fasnacht 2017 lautet «Äs rägnet» und der Himmel macht mit. Das Motto erinnert an den grossen Regen von 2016 sowie dessen Konsequenzen. Nicht nur in Muttenz oder Pratteln kämpften die Bewohner mit Hochwasser.

Auch Frenkendorf verwandelte sich stellenweise in eine Wasserlandschaft. Jetzt sind es gegen 70 Formationen, die an derselben Stelle, wo sich das Hochwasser Platz verschaffte, der Fasnacht ein Gesicht geben.

In Hochform präsentieren sich die Guggenmusiken. Offenbar haben sich diese bereits vortrefflich eingespielt. Die Stücke sitzen. Die Elbisrugger aus dem benachbarten Füllinsdorf jubilieren. Fein herausgeputzt im Waggis-Kostüm kommen die 40-Jährigen daher. Sie feiern sich mit ihrem Sujet selbst: «Sit 40 Joor läbe mir Traditione und schränze durch d Fasnacht.»

Sehr süss sind deren Binggis, die auf einem Wagen vor der Gugge unterwegs sind. Wie übrigens auch bei Yakari. Es scheint, als müssten sich zumindest die Wagencliquen und Guggen keine Sorgen um genügend Nachwuchs machen.

Wilhelm Tell als Höhenfeuer-Fan

Die Schlappschwänz wähnen sich «lost in wonderland», während sich die Güllepumpi Wilhelm Tell gekrallt hat. Mit riesiger Armbrust und natürlich einem Zapfhahn an Bord. «Dr Willy Tell will uf Fränkedorf», haben sie sich zum Sujet genommen. Tell, weil er angeblich so eine Freude an Höhenfeuern habe und das schönste jenes der Güllepumpi selbst gewesen sei. Vergangenes Jahr feierte die Gugge mit Wagen am 1. August ihren 70. Geburtstag mit eben einem Höhenfeuer. Viel grösser und schöner sei es gewesen als das der Bürgergemeinde, welches gleichentags brannte.

Höhefür hän d Fränkedörfer zweü sogar
Bim eine sin aber d Lüt e chli rar
Bim andere sehts us wie im Wilde Weste
Dört wenn sie nümm ufhöre mit Feste

Richtig gut klingen auch die 50-jährigen Fränkeschränzer. Nur der Wagen, auf dem die Gugge sich ins Zeug legt, bereitet nicht allen Freude. Ein Auspuff zur Seite hin in Hüfthöhe eines Erwachsenen macht einfach schlechte Laune. Letztere hellt sich wieder auf an dem anschliessenden Guggenkonzert auf dem Dorfplatz.

Viele Wagen bahnen sich wiederum den Weg durch das Zentrum von Frenkendorf. Die Fränkespatze thematisieren die Olympischen Spiele mit dem Sujet «gedopte Olympiaringe». Wagen und Waggiskostüm sind ganz in den Farben der Russischen Föderation gehalten. Sehr schönes Outfit, unschönes Thema. Lieber der Hochschule zuwenden wollen sich die Wadäbisser, eine Familiengruppe.

Ausgespielt wird das Sujet «Mir Bure gönt jetzt go studiere, in Lieschtel chasch das ruhig». In der Welt der Wadäbisser ist ein Numerus Clausus eine «gesperrte Anzahl für Zulassung zum Studium an Universitäten». Genau.

Ein ungewöhnliches Sujet haben sich die Schnappschüss zugelegt. Es ist Frenkendorfs neuer Gemeindepräsident Roger Gradl. Der 53-Jährige ist bekannt für seine Fest-Tauglichkeit und nicht zuletzt seinen Bayernspleen. FC Bayern, Weizenbier, Oktoberfest – alles bestens. «O’Gradlt is», sagt sich die durchgehend weibliche Wagenclique und lässt das Sujet gleich als Ehrengast mitfahren. Mit dabei ein Bierchen und eine aufblasbare Laugenbreze.

Als Dorfpolitiker sei es beinahe unvermeidlich, dass einen die Schnitzelbänkler durch den Kakao ziehen. «Ich habe es auch schon auf eine Fasnachtsplakette geschafft», sagt Gradl. Das war, nachdem er den OK-Präsidenten eines Höhenfeuers gegen die Kantonsfusion gab. Doch dass er es einst zum Wagensujet bringe, habe ihn überrascht. «Jetzt habe ich eigentlich alles erreicht», scherzt der Gemeindepräsident, «jetzt könnte ich zurücktreten.» Die Schnappschüss charakterisieren ihren Preesi so:

E Bayern-Fan und e super Schnurri an jedem Fescht
Östricher isch er, lose dem zue, är isch doch dr Bescht
Regiere duet er d Fränkedörfer Gmeind als Preesi
Jä nei Sie, e Fränkebayrischeöstricher das wird e so si

Traditionell führt die Halbmondclique den Umzug an. «Unterem Schwarz isch villes bunt, drumm zäige mir uns jetzt unvermummt.» Ob Burka, Nikab oder die Maskierung eines Killerclowns – die Frenkendörfer wollen, dass wir einander das echte Gesicht zeigen.

Villne Bürger wirds angscht und bang
Si finde sone Duech e Zwang
Klar macht das Verbot e Sinn
Bi Hooligans im Joggeli din
Und bi Demonstrante au
Sicher au an mänger Frau

Gemeinsam mit den Nasedröpfli, die sich vollumfänglich der Baselbieter Genusswoche widmen, repräsentiert die Halbmondclique die traditionelle Seite der Frenkendörfer Fasnacht. Mit Trommel, Piccolo und ganz, ganz fein gemachten Larven und Kostümen. Immer wieder schön zu hören.

Link zum Artikel: https://www.basellandschaftlichezeitung.ch/basel/baselbiet/an-der-frenkendoerfer-fasnacht-gabs-einen-extra-wagen-fuer-den-preesi-131082397